Von der Seele schreiben

5 Gründe, warum ich das Schreiben so liebe

5 Gründe, warum ich das Schreiben so liebe

Schreiben ist meine allerliebste Beschäftigung. Ich schreibe beruflich und privat und ich liebe es, seit ich schreiben kann. Wahrscheinlich liebte ich es schon vorher, denn ich wollte unbedingt Schreiben können. Weil ich Geschichten aufschreiben wollte. 

Und das wollte ich unbedingt, weil ich Bücher liebte. Ich ging mit meinem Vater einmal pro Woche in unsere kleine Stadtteilbibliothek. Schon lange bevor ich in die Schule kam. Ich war so drei oder vier Jahre alt. Ich erinnere mich noch ganz genau an diese Bücherei, habe noch den Geruch in der Nase, diese Mischung aus gebohnertem Linolboden, Druckerschwärze und Papier. Ich fühle noch die leicht angeraute Oberfläche der Bücherkisten für Kinder. In der roten, gelben, grünen und blauen Kiste befanden sich großformatige Bilderbücher. 

Während mein Vater in den Reihen der Literaturregale verschwand, flitzte ich zu diesen Kisten und schaute neugierig, ob es neue Bilderbücher gab. Ich konnte stundenlang darin blättern.

Nach Hause ging es dann mit einem Stapel Bücher für meinen Vater und einem neuen Vorlesebuch für mich. Daraus lasen mir meine Eltern dann in den kommenden Tagen die tollsten Geschichten vor. Und jedes Mal endete das Vorlesen mit einem: „Bald bist du so groß, dass du zur Schule kommst und dann kannst du das alles selbst Lesen.“

„Und Schreiben?“

„Na klar, Schreiben lernst du natürlich auch.“

Kinder schreiben

Ich brannte also auf die Schule, weil:

  • Ich bekam meinen EIGENEN Büchereiausweis.

Mein Vater löste dieses Versprechen gleich am Nachmittag meines ersten richtigen Schultages ein. Ich war so stolz als wir die kleine Bücherei betraten und die Bibliothekarin mich mit den Worten: „Na, ist es endlich soweit?“ empfing. Und dann hatte ich diese längliche Pappkarte in einer Plastikhülle endlich in der Hand. Ich konnte immer noch nicht lesen, aber die Welt der Bücher war nun meine. Schließlich stand mein Name auf diesem Ausweis. 

  • Mir wurden die Geheimnisse des Lesens vermittelt.

Meine Klassenlehrerin war für mich so etwas wie eine gute Fee, die mir einen meiner sehnlichsten Wünsche erfüllte. Auch wenn es am Anfang ganz schön mühsam war, ohne die Hilfe meiner Eltern in die fantastischen Welten einzutauchen.

  • Gekrakel wird Wort

Die gute Fee zeigte mir auch noch, wie ich aus dem ersten Gekrakel, Buchstaben, Worte und schließlich ganze Sätze aufs Papier bringen konnte. So konnte ich meine eigenen fantastischen Welten nicht nur erfinden, sondern auch noch aufschreiben.

Wie wundervoll!

Die Schule fand ich dann tatsächlich gar nicht sooo großartig, aber das Lesen und Schreiben liebe ich bis heute. Dafür gibt es fünf gute Gründe.

Grund Nr. 1 - Bewegung

In den 26 Buchstaben unseres Alphabets verbergen sich unendliche Welten: Abenteuer, Romanzen, Poesie, Spannung, Liebe, Freude, Aufregung, Wissen – whatever.

Und jeder kann ein Teil davon sein.

Egal, ob du es nun liest oder ob du es selbst schreibst. Es bewegt dich.

Wenn ich also eine Geschichte aufschreibe und nur ein einziger Mensch sie liest, werde ich in diesem Menschen etwas bewegen. Ich werde ein Gefühl erzeugen. Freude, Trauer, Spannung, Entsetzen… Ist das nicht großartig? Mein Füller ist mein Zauberstab.

Genauso geht es übrigens meine Tochter. Ihr Zauberstab ist die Musik. Sie liebt es mit ihrem Gesang Gefühle in Menschen auszulösen.

Aber ich schweife ab… zurück zum Schreiben.

Ich liebe das Schreiben, weil ich Menschen damit bewegen kann. 

Und das gilt tatsächlich für alle Arten des Schreibens. Erfinde ich eine Geschichte, wird diese Emotionen in Menschen hervorrufen. Beschreibe ich Fakten, rege ich zum Denken an. Schreibe ich Lehrmaterial, bewege ich den Leser bestenfalls dazu etwas dazuzulernen. So oder so – ich bewege Menschen mit meinem Schreiben. 

Selbst wenn ich nur für mich schreibe, zum Beispiel Tagebuch, bewege ich etwas. Das bringt mich zu Grund 2.

Grund Nr. 2 - Reflexion

Beim Schreiben nur für mich, reflektiere ich mein Leben, meine Entscheidungen, meine Art mit Dingen umzugehen. Ich lasse Momente meines Lebens noch einmal Revue passieren, hinterfrage das Ein oder Andere und lerne.

 

Das Leben kann in der Rückschau verstanden, aber nur vorwärts gelebt werden.
Kierkegaard
Søren Kierkegaard
Philosoph

Dabei hilft mir das Schreiben. Es bewegt mich, hilft mir beim Denken, es macht mich zu einem anderen Menschen. Einem Menschen der etwas hinterfragt, der etwas versteht, der etwas lernt und hinterher (hoffentlich) ein kleines bisschen besser als vorher ist. 

Grund Nr. 3 - Klarheit

Nichts klärt mich so gut wie das Schreiben. Besonders wenn ich mit der Hand schreibe, führt jeder Buchstabe, der geschwungen auf meinem Blatt Papier landet zu mehr Klarheit. 

Das Schreiben ist meine Nr. 1, wenn es darum geht schwierige Entscheidungen zu treffen. Das, was ich oft Tage oder Wochen im Kopf hin- und herbewege, gewinnt alleine dadurch, dass es plötzlich schwarz auf weiß auf dem Papier erscheint zu mehr Struktur und Klarheit. Es ist raus aus dem Kopf, wird als Möglichkeit gewürdigt und kann nun nüchtern betrachtet und gewogen werden. 

Ich kann Pro- und Contra-Listen dazu schreiben. Wer alles von der Entscheidung betroffen ist und wie, wandert auf das Papier. Mit jedem Wort komme ich der Entscheidung näher. Mit jedem Wort lichtet sich ein Nebelschwaden nach dem anderen. Ich wäge schriftlich ab, führe schriftlich Diskussionen mit Engelchen und Teufelchen auf meinen Schultern und kläre mich.

Dabei hilft die Langsamkeit des handschriftlichen Schreibens beim Denken.

Schreibe ich am PC, bin ich zu schnell unterwegs. Ich habe mal das Blindschreiben im 10-Finger-System gelernt und schreibe immer noch so um die 400 Anschläge pro Minute. Das ist zu schnell, um Dinge in Ruhe zu überdenken. Mit dem PC schreibe ich am liebsten, wenn ich wütend bin. So kann ich in Windeseile Dampf ablassen.

Klarheit

Grund Nr. 4 - Ruhe

Wie schon bei der Klarheit beschrieben, empfinde ich das Schreiben mit der Hand als wahre Ruheoase. Schreiben ist so etwas wie Meditation für mich.

Die eigentliche Meditation, wie ich sie mir immer vorstelle – ich sitze aufrecht im Schneidersitz, die Handflächen nach oben geöffnet, sanft auf den Knien abgelegt, schaue dabei wie Buddha persönlich und bin in meiner absoluten Mitte – funktioniert leider bei mir nicht. Es kitzelt an der Nase, mir ist zu kalt oder warm, der Boden ist zu hart, die Umgebungsgeräusche zu laut…

Meditiere

Aber sobald ich mein Heft öffne, die Kappe vom Füller entferne und die feuchte Tinte auf das Papier gleitet, entspanne ich mich. Ich kenne tatsächlich keine Schreibblockade, irgendwas schreibt sich immer aus mir heraus. Manchmal die erstaunlichsten Erkenntnisse. Die kommen allerdings oft erst spät, nachdem ich schon eine Weile schreibe. Denn, die ersten oberflächlichen Gedanken drängen sich vor und wollen zuerst geschrieben und gesehen werden. Wenn mein Geist diesen Gedankenmüll losgeworden ist, wird es ruhiger und erst richtig interessant.

Plötzlich vernehme ich meine eigenen Fragen und – was noch viel erstaunlicher ist – die Antworten meiner Seele.

Grund Nr. 5- Heilung

Genau diese Antworten meiner Seele sind es, die mir das Gefühl geben, immer heiler zu werden. 

Diese Antworten entstehen durch die Kombination der ersten vier Gründe. 

Ich möchte etwas bewegen, mir über etwas klar werden, daher schreibe ich zu diesem Thema. Ich reflektiere die Meinungen und Antworten die in mir aufsteigen und werde mir immer klarer über das, was es mit mir macht, ob es mir damit schlecht oder gut geht. Ich denke schreibend über Alternativen nach, probiere schreibend eine andere Wendung für ein Erlebnis. Dies führt in seiner Erkenntnis zu innerer Ruhe und Heilung.

In dem Artikel 11 Gründe, warum Schreiben so heilsam ist, gehe ich auch noch einmal auf das Thema ein. Vielleicht magst du dort weiterlesen?

Fazit

Schreiben ist so ein großartiges, hoch wirksames Werkzeug, das jedem und jeder von uns zur Verfügung steht. Mehr als ein Blatt Papier und ein Schreibgerät braucht es nicht und schon kommst du mit dir selbst ins Gespräch.

Anfänglich wunderst du dich wahrscheinlich, was du dir zu sagen hast. Mit der Zeit wird es immer selbstverständlicher, immer leichter, immer schöner – einfach heilsam!

 

Schreiben hilft. Immer!

Alles Liebe
Claudia Günther
Claudia

Titelbild: Bild von Bruno auf Pixabay

Bild Kierkegaard: Von Neils Christian Kierkegaard – Royal Library of Denmark – Kierkegaard Manuscriptshttp

Bild Kinder: Bild von svklimkin auf pixabay

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